Mareike Bundschuh

Name: Mareike Bundschuh

Jahrgang: 1990

im forum: aktiv 2009-heute

wohnt, lebt und arbeitet heute in: Mannheim/Ludwigshafen

als: Studentin (B.A. Soziale Arbeit)

 

In welcher Phase Ihres Lebens waren Sie aus welchem Grund im forum?

Ich kam mit 14/ 15 Jahren oft für politische Veranstaltungen wie MSGR und Konzerte ins forum.

Damals war es für mich einfach nur eine nette location. Da Freund*innen mitspielten, schaute ich mir auch die Aufführungen des „Augenblicktheaters“ ab 2006 jährlich an und war jedes Mal emotional berührt und begeistert von den Bildern und der Ausstrahlung der Gruppe. Ich kannte nur Schultheater - Texte lernen, die nicht viel mit der eigenen Person oder Phantasie zu tun haben.

 

Was hat die Zeit im forum mit Ihrem persönlichen Werdegang zu tun?

2009, ein Jahr vor meinem Abi, fasste ich endlich den Mut, eine Probe mitzumachen und fühlte mich sofort aufgehoben. Ich war ein introvertierter Mensch, habe früher kaum gesprochen und auch in der Schulzeit umgab ich mich nur mit den Menschen, denen ich vertrauen wollte. Jeder Kontakt mit Fremden war unglaublich anstrengend, bis ich diese Gruppe traf, in der ich mich ab der ersten Sekunde entspannen konnte. Ich übte, auf spielerische aber sehr wahre Art und Weise, meine Meinungen und Gefühle auszudrücken, anderen mitzuteilen, Reaktionen zu bekommen, auch mal andere Positionen auszuprobieren. Und das alles in ständigem Kontakt mit ca. 15 anderen Personen, die mit mir lernten. Das war so schön zu sehen und zu spüren!

 

Nennen Sie ein Schlüsselerlebnis aus ihrer Zeit im forum?

Meine Schlüsselerlebnisse sind die Theatertage, an denen wir gemeinsam auf Reisen gingen.

Gemeinsame Abende am Lagerfeuer in Verbindung mit produktiven Zeiten, in denen wir Improübungen oder Textarbeit machten – spielen wie die Kinder und denken wie Erwachsene. In einem Text, den ich dort verfasste, verarbeitete ich den Verlust eines geliebten Menschen und beim Vorlesen zitterten mir Hände und Stimme. Doch die anderen dankten mir danach dafür, dass ich das mit ihnen teilte und ich verstand, dass es in Ordnung und gut ist, auch die schweren Dinge des Lebens zu besprechen. Mir half dieser Moment, einen besseren Umgang mit krisenhaften Zeiten zu finden. Insgesamt würde ich sagen, diese Art Theater zu machen bringt einen in Kontakt mit sich selbst. Ich lernte mich kennen, indem ich andere Menschen und ein anderes Umfeld kennenlernte, in dem jede*r die anderen verstehen und unterstützen will.

 

Was ist für Sie typisch forum? / Welche Bedeutung hat das forum Ihrer Meinung nach für die kulturelle Bildungslandschaft in Mannheim? / Warum ist das forum in der kulturellen Bildungslandschaft in Mannheim unverzichtbar? / In welcher Weise hat das forum in den letzten 40 Jahren diese Stadt beeinflusst?

 

Das forum als neuer Ort, an dem wir etwas erschaffen, an dem jeden Dienstag eine Tür zu einer anderen Welt aufging, in die man sich zwei Stunden fallen lassen konnte, der große Saal, der alles sein kann, ob Unterwasserwelt, Alltag, Eislandschaft oder Zuhause, das forum mit all seinen versteckten Räumen außenherum wie ein Beschützer, die Stimmung voller Produktivität, die einen überkommt, sobald man durch eine der Türen tritt, die Ideen, die in jeder der vielen Ecken und Winkeln lauern, die Menschen, beschäftigte Köpfe, offene Augen – das gibt mir seit dem ersten Tag und bis heute Kraft und motiviert mich immer wieder, Neues auszuprobieren. Ohne diese Erfahrungen hier wäre ich nicht so verwurzelt in Mannheim, nicht so selbstbewusst und wahrscheinlich würde ich nicht das machen, was ich heute mache (Soziale Arbeit studieren), hätte nicht mehr die Träume, die ich immer noch habe (irgendwann ein soziokulturelles Zentrum mitgestalten und Baumhäuser bauen), und würde einige Menschen vermissen.

Ab dem Herbst 2016 konnte ich ein Jahr mit Aktivitäten im forum füllen, gründete einen kleinen Schreibclub, machte bei girlsgomovie mit, verfolgte moving space, stieg bei der upcyclingMA:fia, dem Hörbuchkollektiv und dem neuen transkulturellen Projekt einer Freundin, Essen.z.zeit, welches ich bis heute weiterführe, ein. Essenzzeit ist für mich, wie wenn man ein Ziel vor Augen hat und beim und nach dem Erreichen dieses Ziels entdeckt man so viele neue Wege, dass ein ganzes Netz entsteht, in dem man sich auskennt und wohlfühlt und das sich ständig in alle Richtungen erweitert und einen mit anderen verbindet. Und die Erfahrungen im „Augenblicktheater“ sind die Schuhe an meinen Füßen, und all die Wundermenschen im und ums forum sind die, die mich losgeschickt, eingeholt, getroffen, begleitet und geführt haben. Und im Mittelpunkt dieses Netzes steht das forum selbst, da kommt man immer wieder an und da geht man immer wieder los. In der neuen Rolle der (Mit-)Gestalterin von Projekten erschloss sich mir das forum noch einmal neu. Die Unterstützung bei neuen Ideen und deren Umsetzung war ganz natürlich, selbstverständlich und auf Augenhöhe. Das ist für mich typisch forum.

Der Raum, die Zeit, die Sicherheit, sich auszuprobieren und es ist immer jemand da, der oder die begleitet, reflektiert- einfach unterstützt. Und das ist auch das Bedeutsame des forums für Mannheim und die kulturelle Bildungslandschaft. Hier entstehen Projekte wie an keinem anderen Ort. Es gibt immer die Möglichkeit, sich einzubringen, junge Menschen werden hier nicht bespaßt sondern bestärkt und aktiviert und können ganz Mannheim für sich entdecken.

Ich persönlich bemerke heute oft, wie sehr ich Mannheim über das forum kennenlern(t)e und wie sehr das forum Mannheim prägt: ich treffe immer wieder Menschen aus dem forum, treffe Menschen im forum wieder, treffe das forum in Menschen.

 

 

Was wünschen Sie dem forum für die nächsten 40 Jahre? / Welche Frage würden sie dem forum gerne stellen / mitgeben?

Ich wünsche dem forum, dass genau das noch mehr Menschen sehen. Dass man nicht mehr erklären muss, dass ein Jugendkulturzentrum eine riesige Menge an großartigen Aktionen und Projekten im Angebot hat und man sich problemlos einfach beteiligen kann, dass man nicht mehr erklären muss, dass es nicht (nur) um offene Jugendarbeit und Tischkickern geht, dass es eine Vielzahl an Veranstaltungen gibt, bei der für alle was dabei ist, dass hier kulturell richtig was passiert, dass es nicht mehr „Forum der Jugend“ heißt. Warum wissen das die Leute nicht? - Sie sollten es wissen.

 

Welche Veranstaltung würden Sie heute gerne im forum besuchen? / Was war die letzte forum Veranstaltung, die Sie besucht haben?

Ich würde gerne mehr Veranstaltungen besuchen, mehr Vorträge anhören und mich politisch weiterbilden, weil ich das sehr wichtig finde. Die letzte öffentliche Veranstaltung, die ich besucht habe, war eine offene Bühne.

 

 

Was ist Ihrer Meinung nach der schönste Raum im forum und warum? /  Wie beschreiben sie jemand neuem, wo der Haupteingang vom forum ist? / Wenn Sie die Wahl hätten: wie sähe Ihr Wunsch-forum aus (Ort, Ausstattung, Themen)?

Der schönste Raum im forum ist der Saal, weil er so viele Türen hat, die man öffnen kann. Mein Wunsch-forum wäre einfach nur ein bisschen eindeutiger erreichbar. Ich liebe die verwinkelte Architektur und bin überzeugt, dass sich die Themen immer nach den Bedürfnissen der Besucher*innen richten werden. Aber den Haupteingang beschreiben, das ist schwer.

Ich würde sagen: „Geh an der Feuerwache hoch zu den Neckarpromenaden (da am steinernen Fuß vorbei), drei Türme später kommt irgendwo ein kleines blaues Schild nach links, da siehst du einen Platz mit Litfaßsäule und dahinter ist der Haupteingang zum forum“ oder: „Fahr zur Schafweide und wenn du aussteigst, überquer zuerst die Straße, nimm die linke Ampel und halte dich dann rechts. Du siehst eine große Treppe, die du nun hochgehen kannst. Oben angekommen siehst du eine Litfaßsäule mit Veranstaltungstips (erstmal alles angucken!) und rechts ist der Haupteingang zum forum“ oder: „Lauf am Neckarufer entlang bis zur Schneckennudel und dann biegst du links ab, die Treppe hoch. Geh gerade aus an dem zweiten steinernen Fuß vorbei. Fast bis zur Straße vor kannst du gehen bis du links die Treppe zum Vorplatz siehst. Da gehst du hoch, rechts ist der Eingang.“