Claus Boesser-Ferrari

Name: Claus Boesser-Ferrari
Jahrgang: 1952
im forum aktiv: 1985 – 1992 Betreuung der Offenen Bühne
wohnt, lebt und arbeitet heute in: Mannheim
als: Musiker

 

In welcher Phase Ihres Lebens waren Sie aus welchem Grund im forum?

Von ca. 1982 – 92 hatte ich einen Honorarvertrag. Schwerpunkt war die Offene Bühne und eine offene Jam-Musik-Gruppe (Die blauen Reiter). Die Offene Bühne hat mich als Konzept interessiert – interessante Kontakte mit spannenden jungen Musiker*innen (Jule Neigel/Laith al Deen/Zebi… usw.) Ich selbst habe ja damals schon viel Musik gemacht.

 

Was hat die Zeit im forum mit Ihrem persönlichen Werdegang zu tun?

Ich habe Freundschaften gewonnen, die heute noch bestehen /Musiker*innen getroffen (Uli Wagner) mit denen ich lange gearbeitet habe und noch arbeite.

 

Nennen Sie ein Schlüsselerlebnis aus Ihrer Zeit im forum?

…einmal kam ein Sinti-Gitarrist (Manuel!!?) der ein Mark-Stück als Plektron benutzt hat und alles an die Wand gespielt hat.

Außerdem die Abschiedsrede von J.C. Herzog bei der Abschlussveranstaltung, der nochmals die ganze Erbärmlichkeit dieser Entscheidung aufgedeckt hat.

 

Welches Themenfeld aus der Arbeit des forum ist Ihnen wichtig?

Kultur /Musik

 

Was ist für Sie typisch forum?

Die offene interkulturelle Ausrichtung ist historisch.

 

Welche Frage würden Sie dem forum gerne stellen / mitgeben?

Was will ich sein? – das ist mir unklar.

 

Hätte sich ihr Leben zum Besseren / Schlechteren gewandelt, wenn Sie nicht im forum aktiv gewesen wären?

Ich hätte eine wichtige Zeit und wichtige Beziehungen nicht gehabt.

 

Welche Bedeutung hat das forum Ihrer Meinung nach für die kulturelle Bildungslandschaft in Mannheim?

Ich weiss es nicht – es tritt zu defensiv nach außen; aber ich kann das auch nur begrenzt beurteilen.

 

Warum ist das forum in der kulturellen Bildungslandschaft in Mannheim unverzichtbar?

Weil es geschichtlich einen Namen als interkulturelles Zentrum hat und über räumliche/örtliche Bedingungen verfügt die KEIN ANDERES HAUS in Mannheim hat.

Das forum ist das einzige Haus in Mannheim, das mit fast keinem Geld Pop-Musik-Förderung an der wirklichen Basis betreibt. Es gab ja dann Versuche von der Stadt, diesen Bereich von anderer Stelle über eine*n Pop-Beauftragte*n aufzugreifen – das würde ich weniger gern kommentieren.

 

In welcher Weise hat das forum in den letzten 40 Jahren diese Stadt beeinflusst?

Das kann ich nicht seriös beantworten – aber das forum stand und steht für eine weltoffene Ausrichtung und hat vielen Heimat gegeben auf verschiedensten Ebenen.

 

Welche Veranstaltung würden Sie heute gerne im forum besuchen?

Eine Performance aus Tanz, Literatur und Musik

 

Was war die letzte forum Veranstaltung, die Sie besucht haben?

Ich habe da vor etwa 18 Monaten mit den Turnbulls gespielt – tolle Atmosphäre – auch nach vorne gerichtet.

 

Was wünschen Sie dem forum für die nächsten 40 Jahre?

Mitarbeiter*innen die Visionen haben und Politiker*innen, die das zu schätzen wissen. Dass es den Platz einmal wieder einnimmt, der ihm eigentlich zusteht und den es einmal hatte. Das forum ist eine tolle Location. Die größte Barbarei, die dem Haus widerfahren ist, war die Entscheidung des damaligen Stadtrats, das Haus zu schließen – der erbärmliche Subtext dieser damaligen Entscheidung war: Kultur ist Luxus und kein Grundnahrungsmittel. Schon diese Trennung ist so dumm und reaktionär, dass man gut beraten ist, diese Gremien auch heute mit Argwohn zu beobachten.

 

Wie beschreiben Sie jemand Neuem, wo der Haupteingang vom forum ist?

Habe ich noch nicht entschieden – würde mich daran nicht festbeißen – absoluter Nebenschauplatz.

 

Was ist Ihrer Meinung nach der schönste Raum im forum und warum?

Ich finde das Café, den Saal, die Kellerbühne alle schön, wenn sie im richtigen Kontext genutzt werden. Keller und Saal sind tolle Veranstaltungsräume.

 

Wenn Sie die Wahl hätten: wie sähe Ihr Wunsch-forum aus (Ort, Ausstattung, Themen)?

Theater, Literatur, Musik, Ausstellungen – so wie es in seiner besten Zeit war. Wenn das sozialpädagogische Feigenblatt mal nicht mehr nötig wäre, wäre das eine Befreiung.

 

Sagen Sie immer noch „Forum der Jugend“?

Ich sage forum... „Forum der Jugend“ brauchen lebensfremde Stadträt*innen und Sozialklempner*innen, die ihre Daseinsberechtigung untermauern müssen – das ist nicht zeitgemäß.